
Wow! Heute am Weg in die Arbeit endlich im letzten Abschnitt von der Blendung angelangt – Welt im Kopf – und diese Umkehrung ist einfach wunderbar! George Kien, als der einzige Mensch, der den Menschen sieht. Nicht umsonst erwähnt Canetti seinen Vorgänger und dessen Meinung zu “den Irren”: verrückt werden eben nur die Menschen, die immer nur an sich denken. Er selbst, wie auch alle anderen Charaktere des Buches denken, wie ich denke bereits dargelegt zu haben immer nur an sich selbst – selbst dann, wenn sie scheinbar an den/die andere/n denken – siehe Kiens Empathie zu Fischerle – denken sie tatsächlich nur wieder an sich selbst. Und jetzt kommt da dieser Mensch, der seine eigene Sprache zu erfinen versucht – und mit dieser Sprache eine eigene Lebensweiße. Eine, die im Gegensatz zu unserer feintönenden (im Buch dadurch verstärkt, dass “die unsere” Französisch ist) tatsächlich ausdrückt: hinter ihr, unverdeckt stehen die Affekte, die Gelüste – er hat ein erotisches Abenteuer mit der Erde, er weint offen – und die Sprache bedient sich weniger des Tones, als des Körpers. Dieser, eindeutig Irre, bzw. seine Kollegen in Georgs Anstalt – Menschen, die nach Georges Definition sind – der einzige Mensch, von dem Georg behaupten kann, dass er Charakter hat, wird in klaren Gegensatz zu den “Normalen” der Außewelt gesetzt, die, wenn nicht pathologisch, so doch zumindest lächerlich dargestellt werden.
Realitäten – ist also das Thema dieses Buches (wie es auch der Klappentext bereits verlautbarte) aber trotzdem wirkt mir Canetti nicht als Epistemologe, sondern vielmehr als Ethiker, Anthropologe und zu einem gewissen Teil auch als Philologe.
aber noch ist das Ende nicht erreicht – warten wir ab!


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