Am heutigen Abend habe ich erstmals von jenem “Fall” in Amstetten gehört: Ein Vater (jetzt 72) hat seine Tochter (jetzt 42) im Keller festgehalten, (nicht nur) sexuell misshandelt und mit ihr sieben Kinder gezeugt – es war meine Freundin, die mir davon erzählte. Kurz darauf verfolgte ich die ZIB 20, die als praktisch einziges Thema, jener “Fall” war. Im Anschluss verfolgte ich “Im Zentrum” – wiederum zu jenem Thema.

Ich möchte hier natürlich keineswegs in Abrede stellen, dass es sich hier um einen horrenden Fall von Missbrauch, Gewalt und Weg-Schaun handelt. Auch zeigt es ganz klar auf, dass “im System” irgendetwas nicht richtig tickt (wobei auch erwähnt werden muss, dass wir selbst sicherleich Teil diese System sind, welches wir so gerne [und so leicht] kritisieren).

Es muss aber trotz allem gesagt werden, dass die Berichterstattung des ORF (und der anderen Medien) nicht bloß an Sozialpornographie grenzt, sondern diese verkörpert! Abgesehen davon, dass kaum Fakten genannt werden (wie genau zum Beispiel kam die Sache tatsächlich zu Tage? – ein anonymer Anruf?), zeugen gewisse Aussagen schlichtweg von Selbstgefälligkeit: “[…}man kann sich also vorstellen, was diese Frau erlebt hat…unvorstellbar! unvorstellbar!” Es stimmt, man kann es sich nicht vorstellen! Die Situation dieser Frau übersteigt in ihrem Umfang alles, was sich irgendwer vorstellen kann und in ihrer Art vermutlich alles, was sich die meisten vorstellen kann…nicht einmal ansatzweise. Wie gesagt, es stimmt. Die Art und Weiße, mit der die Medien dieses Thema behandeln jedoch, ist ganz offensichtlich die jagt auf Einschaltquoten/Auflagen. Und dies verurteile ich zutiefst.