Wie teuer ist das Netz?

Rupert Murdoch - World Economic Forum Annual M...

Image by World Economic Forum via Flickr

Von @Mohnstrudel darauf aufmerksam gemacht, habe ich mich dazu entschieden, einen Kommentar zu zwei Artikeln der Sonntagspresse zu schreiben. Einer der beiden ist, zwar unter anderem Titel, auch im Netz (kostenfrei!) erhältlich: Wer hat den Weitblick? Der andere ist Martina Salomons Innenpolitisches Wort. Das Thema beider Artikel: Die Kosten(deckung) von Journalismus.

Vorab nur kurz eine Zusammenfassung der Texte: Qualitätsjournalismus könnte bald sehr teuer werden und damit the informal divide vergrößern, die Demokratie gefährden. Etwa wären Qualitätszeitungen um 5 Euro denkbar. Auch im Netz bastelt Medienmogul Murdoch bereits an konstenpflichtigen Online-Zeitungen und verbündet sich dabei mit Micro$ofts Suchmaschine Bing. Google arbeitet fieberhaft dagegen und versucht sich seinerseits mit Zeitungen zu gut zu stellen.

Es ist offensichtlich, dass diePresse sich selbst als Qualitätszeitung versteht und somit sowohl von der Verteuerung der Printzeitungen, als auch der Onlineausgaben betroffen wäre. Ich rate Pirker/Fleischhacker allerdings trotzdem dazu, in Zukunft Aussagen wie “Google (über den Musikdienst Lala auch mit Microsoft-Erzrivalen Apple verbandelt)…” zu streichen. Denn: Zwar hat Google Music Discovery einen Vertrag mit Lala abgeschlossen, und Lala wurde danach von Apple (übrigens Google vor der Nase weg) gekauft, aber dieser Vertrag gilt genauso für MySpaces iLike. MySpace gehört News Corp und deren CEO ist wiederum der berüchtigte Robert Murdoch. Aber ist das ein Zeichen dafür, dass sich Google und Murdoch gut verstehen?!

Nichtsdestotrotz ist die Frage, inwiefern die Grundfeste der Demokratie hier gefährdet sind, berechtigt. Denn die Idee der Demokratie funktioniert, so wie jede Ideologie, nur mithilfe einies Axioms: der Mündigkeit ihrer Bürger. Und diese ist durch eine ökonomisch bedingte Zweiinformationengesellschaft stark in Frage gestellt. Immerhin: Kants Grundsatz des Ausgangs aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit setzt die Möglichkeit voraus, die Unmündigkeit zu erkennen!

Ich stimme Frau Salomon in ihrem letzten Aufruf zu, (nur) Politik und interessierte Konsumenten gemeinsam könnten die “akute Verblödungsgefahr bannen!” Man sollte zwei Dinge allerdings nicht außer Acht lassen: Wie bereits Lazarsfeld 1940 nachgewiesen hat, sind für die Meinungsbildung die Meinungsführer besonders wichtig. Das sind Menschen, die sich mit einem Thema intensiver auseinandersetzen und ihr Wissen mit ihren Peers teilen. So konnte sich bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen 1940 abseits der Lokalblätter eine politische Meinung bilden.

Dieses Wissen ist nicht nur eine Grundlage von Nerd Nites und BarCamps, sondern auch in der Blogosphäre durchaus bekannt. Und gerade der weite Bereich der Social Media, bietet eine Antwort auf die Frage, wie man einer Verteuerung qualitativer Printmedien und einer Schließung der Onlinemedien begegnen könnte: mit einer Förderung der Blogosphäre. Unter dem Slogan Crowdsourcing Information, könnte, von Universitäten und anderen staatlichen Institutionen ausgehend ein, partizipativer Qualitätsjournalismus entstehen. In der Hinsicht ist die Antwort auf die Frage der Presse, wer den Weitblick hätte, tatsächlich Google. Mit Living Stories und Fast Flip werden hier erste und bescheidene Schritte in die Richtung unternommen.

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  1. 19. Dezember 2009
  2. 4. März 2010

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