.torrent simulating society.

In 2004 wurde der Betrag des Peer-to-Peer-traffics auf 70-80% des Europäischen Gesamt-Internet-Verkehrs geschätzt. Laut Studien macht .torrent ungefähr die Hälfte dieses P2P-traffics aus. International gesehen ist das Vehältnis noch drastischer.

Nur kurz das .torrent-Prinzip:

BitTorrent is a P2P file distribution protocol with a focus on scalable and efficient content replication. In particular BitTorrent capitaliozes on the upload capacity of each peer in order to increase the global system capacity as the number of peers increases

(arXiv:0707.1280v1 [cs.NI] 12 Jul 2007, p. 2)

BitTorrent is a way to transfer files of just about any size quickly and efficiently. It works by breaking files up into small pieces. The file is downloaded piece by piece from one or many different sources. It’s efficient because you get faster downloads using a lot less bandwidth

(bittorrent.com)

.torrent ist also ein Datenaustauschsystem wobei jede Datei in pieces und blocks zerstückelt wird, die dann einzeln down- und uploaded werden.Der Vorteil gegenüber einem Server-Client System (Direct-Download, z.B. HTTP(S)-, (S)FTP- oder SCP-Download), ist seine „scalability“ – also die Fähigkeit, sich an verschiedene Größenverhältnisse und Topologien anzupassen, da jeder Teile des files besitzt und diese an andere (leecher) weiter verteilt (seeder). Bei einem Tracker-System wird ein Metafile (z.B. StarWars_E3.torrent) erstellt, in dem Informationen wie health (seeder/leecher-ratio) oder tracker zu dem file gespeichert sind. Der User verbindet sich in Folge mit dem Tracker, der ihm die IP-Adressen einer bestimmten Anzahl zufällig gewählter peers übermittelt, die der torrent-client (z.B. BitTorrent, EMule, uTorrent,…) kontaktiert. Von diesen holt sich der client die pieces, aus denen er dann das File zusammensetzt.

.torrent ist dabei ein System, das größten Wert auf Fairness legt. Zu beachten ist, dass zur Umsetzung dieser Fairness, der Zufall als zentrales Element vorrausgesetzt wird (werden muss?)

Grundsätzlich gibt es für einen BitTorrent-client (in Folge bezeichnet als Peer) nur wenige Regeln (die dafür essentiell sind):

  • die maximale Peer-Set-Größe, also die Größe der Nachbarn, mit denen der Peer in einem Kommunikationsverhältnis steht. Zu beachten ist, dass hier nur ein File gemeint ist wobei in Realität ein peer an mehreren torrents teilnehmen kann (paraleller Download)
  • wird eine gewisse Peer-Set-Größer unterschritten, kontaktiert der Peer den tracker und verlangt neue IP-Adressen
  • die maximale Anzahl an Incoming Conecctions mc
  • local rarest first und global rarest first:

ein peer entscheidet, welche „Portion“ er herunterladet anhand der rarest first regel, wobei geschaut wird, welches piece im lokalen Kreis (Peer Set) am seltensten vorkommt. Je größer der lokale Kreis, desto näher liegt die local rarest regel an der global rarest regel.

  • choke algorithm

ein Peer entscheidet, mit welchem Peer er seine Information teilt anhand der Upload-Rate des anderen. Ein seeder sucht die (mc-1) größten Uploader heraus, mit denen er seine Pieces shared. Somit wird garantiert, dass niemand auf Kosten der Anderen profitiert.

Der choke-Algorithmus wird aber durch den Zufall gravierend modifiziert: zu den (mc-1) Peers, die er sich gesucht hat, kommt noch 1 Peer dazu, der zufällig gewählt wird. Dies bietet vor allem auch Neuzugängern die Möglichkeit, sich in der „Nachbarschaft“ zu etablieren.

In manchen BitTorrent-Systemen wird dieser lokale choke-algorythmus durch einen globalen, intertorrent-choke algorythmus ersetzt, bei dem die gesamt-upload-rate und nicht die upload rate des einzelnen files gemessen wird.

Man sieht, dass man das eben skizzierte System auf Kommunikation allgemein und auf die des Menschen im Besonderen übertragen kann: Wer von sich aus viel kommuniziert, mit dem will man kommunizieren – ein typisches Phänomen.

Erkennbar ist auch, dass selbst die „uneigennützige“ Handlung, das Uploaden im Falle von .torrent, tatsächlich nur dem Zweck des eigenen Ziels (die vollständige erlangung des files) dienen. Auch das wurde schon oft genug, am schönsten aber von Camus in der Fall, vom Menschen gesagt. Nun hat das, auf den Menschen bezogen, einen ungemütlichen Beigeschmack. Am Beispiel des .torrent-Systems aber wird erkennbar, dass soziales Verhalten nur so geschehen kann bzw. dass ein System der Interaktion nur so erhalten werden kann. „Der Einzelne handelt in Erwartung der Handlung des Anderen“ ist also durchwegs positiv zu verstehen.

Das ist das eine, was wir von unserer elektronischen Schaffung lernen können. Viel wichtiger aber ist der Zusatz zum choke-Algorythmus: diese 1/mc-Prozent! Im BitTorrent-Client Mainline(dem von .torrent-Erfinder Bram Cohen) wurde mc nun auf 200 gesetzt – 0,005%! [wobei der Vollständigkeits wegen gesagt werden muss, dass hier nicht nur 1 Peer zufällig gewählt wird]

Diesen 1 Peer begegnen die Anderen Peers mit einer, den Computern eigenen Offenheit. Unbiased ist das richtige Wort, denn unter ihnen kann es weder zu einer „positiven Diskrimination“, noch zu einer „negatven Diskrimination“ kommen. Genau diese Offenheit gilt es für uns, zu erlernen.

Vor allem, da es diese 1/mc-% sind, die das gesamte System überhaupt am laufen halten und sichern, dass weder völlig isolierte Cluster entstehen, noch die Information ausstirbt. Man darf aber nicht den Fehler begehen, diese Tat ihnen allein in die Schuhe zu schieben, denn es sind genauso die Kommunikationstieger, als auch die Kommunikatoren des Mittelfeldes, die das vollbringen.


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