Computergedichte

Was versteht man so gemeinhin unter dem Begriff „Computergedicht“, wenn man überhaupt jemals damit in Kontakt kam? Entweder man reimt sich aus dem beiden Wörtern Computer und Gedicht folgendes zusammen: Gedichte, die am Computer geschrieben und vielleicht auch über den Computer (z.B. über Internetplattformen wie Niederngasse) offeriert werden; oder man kam tatsächlich schon mit dem Bergriff in Kontakt, der in der Fachliteratur ein Synonym für algorithmische Dichtung darstellt – ersteres ist die wohl weiter verbreitete, da intuitive Definition.

Weniger intuitiv und deshalb hier auch kurz beschrieben ist die algorithmische Dichtung[1]:

In der athenischen Antike begann Hegias Olynthos durch mathematische Algorithmen – e.g. Vertauschung – seine Sätze zu verändern und sogar zu vervielfältigen. Später würde man diese Form des Dichtens als Proteusvers bezeichnen.

In der Moderne wandten sich vor allem Surrealisten, Dadaisten aber auch Mathematiker dem Proteusvers zu. Eine Systematisierung fand erst in den 1960er Jahren mit der Gründung der Oulipo-Gruppe statt.

Generell kann man den Proteusvers als systematische Sprach- und Wortspielerei beschreiben.

Beide Definitionen aber verwenden den Computer als unreflektiertes Medium, dabei sind die Ziele, Methoden und sogar Schönheitsvorstellungen der Dichter und Programmierer sehr ähnlich!

Beiden geht es darum, etwas sinnvolles zu schaffen. Unter Programmierern (wie unter Mathematikern oder Physikern) gibt es (logischerweiße) eine starke Abneigung gegenüber unnötigen Zeilen – es geht ihnen also darum, ihre Programme möglichst kurz und prägnant zu schreiben. Die andere Seite dieser Abneigung ist eine ausgeprägte Liebe zu schönen sprich prägnanten und funktionalen Programmen. Auch den Dichtern geht es ähnlich: Niemand wird einenden faselnden Dichter einen Meister nennen. Meister ist der, der gerade genug sagt.

Weiters die Neugierde: Ihnen allen ist eine natürlich-kindliche Neugierde eigen, die sie dazu bringt, sich immer Neuem offen zu halten. Die Phantasie, jüngere Schwester der Neugierde und deren Zwilling die Kreativität ist crucial für Programmierer, Physiker, Matematiker sowie Dichter.

Insofern ist die Verbindung von Computer und Dichtung beinahe zwingend. Und, wer es sich noch nicht gedacht hat, mache ich hier Werbung für eines meiner eigenen Projekte auf vordichtung.

So: Bald findet sich in der ProjectList ein neuer Eintrag: Computergedichte. Hoff ihr schaut eifrig vorbei!


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  1. Und der Start ist gemacht! Die ersten zwei Computergedichte sind online!

  2. update: die neue vordichtung-website liegt nun auf wordpress:
    vordichtung.wordpress.com
    ich hab die Links oben auch aktualisiert

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