"War kein Trojaner…"

Ein weiterer Artikel über die sog. Bundestrojaner Deutschlands und Österreichs Nachahmungen. Heute (oder war es Österreich? Ich kann die beiden nicht unterscheiden) schrieb gestern, „Jetzt wird es eng für Mohammed M.“. Abgesehen von dem schlechten falschen Reim (eng – Mohammed M.) ein sehr irreführender Titel. Bei dem Thema handelt es sich um einen „Lauschangriff“ auf den PC des Angeklagten, Video und Ton- Überwachung. Laut Strafverteitiger, wurde ein Trojaner auf dem Computer von M. installiert, was bis zur jetzigen Gesetzeslage in Österreich illegal ist. Die Polizei bestreitet das, es sei nur ein Keylogger installiert worden:

Selbst wenn ein „Trojaner“ verwendet worden wäre, sei dies nicht entscheidend. Es komme darauf an, ob man von außen, also etwa per Mail, in das System eindringt. Dies sei nicht passiert, da Beamte mit richterlicher Genehmigung in der Wohnung gewesen seien. Vor allem aber habe man nicht auf gespeicherte Daten gegriffen. Dies wäre illegal gewesen.

(Die Presse.com)

nicht auf gespeicherte Daten gegriffen…heißt dass, wenn ich über einen Spiegel benutze, um an geheime Bankdaten zu gelange, sie selbst aber nicht direkt lese, ist es legal? So gesehen sind Phishing-Mails genauso legal, da sie „die, auf der Festplatte gespeicherten Daten nicht angreifen“.

Neben der Frage, was nun tatsächlich auf den Computer des Betroffenen gespielt wurde, entsteht natürlich auch die Frage, was ist was. Also kurz: ein Trojaner ist ein Programm, welches eine Hinterüre für den Angreifer offen hält oder öffnet, sodass er jederzeit in das System wieder eindringen kann und auf dem Computer alles machen kann. Gutes Beispiel (hier auch schon des öfteren erwähnt: BO2K von cDc). Ein Keylogger hingegen, ist, wie der Name bereits verrät ein Programm, dass die Tastaturanschläge des betroffen Computers aufzeichnet (logging). Optional werden auch noch Screenshots vom Bildschirm geschossen (es gibt auch Keylogger die nur zweiteres machen, sind aber eher nutzlos). Laut den Daten der Polizei, ist ein solcher Keylogger eingesetzt worden, der alle 60 Sekunden einen Screenshot machte. Dem heise-Bericht zufolge, wurden damit insgesamt 98 GB an Daten gesammelt – vermutlich mehr als auf dem PC überhaupt lagen. Extrem viel werden sie dabei auch nicht gefunden haben – erst bei der Durchsuchung dann (aber das ist nur Spekulation)

The point is the following: Österreich richtet sich nach und somit wartet auf die/der Entscheidung Deutschland bezüglich der „Bundestrojaner“ um, dann selbst über den Einsatz von Spionagesoftware (polizeiliche Viren) zu entscheiden. Entgegen dem Namen, den die Medien ihnen gegeben haben, geht es bei den „Bundestrojanern“ keineswegs um Trojaner, sondern – vorsicht! – um Keylogger! Und das ist mir etwas unverständlich (natürlich und leider nur rhetorisch gemeint): Österreichs Executive setzt Software/Techniken ein, wie sie in Deutschland heiß diskutiert werden; Österreich’s Gesetzgebung richtet sich nach der Deutschen Gesetzgebung (zumindest in diesem Fall); der Lauschangriff wurde offensichtlich schon vor Wochen, wenn nicht Monaten gestartet (98 Gigabyte!)…und man behauptet nach wie vor, rein legal gehandelt zu haben. Also entweder das ist eine bewusste Lüge (und sie halten uns für völlig verblödet) oder das Gesetz, das wir kennen und nach dem wir uns richten müssen, ist ein gänzlich anderes als das tatsächliche oder das, nach dem sich die Polizei zu richten hat…


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