ngo-2.0: Transparenz

Transparenz ist gerade in der heutigen Zeit, in der doch ein deutlicher Spendenrückgang und Vertrauensverlust der „Stakeholder“ zu verzeichnen ist, eines der zentralen Themen, mit denen NGO’s quer durch die Bank betroffen sind. Manche stärker, machne weniger, vielleicht sogar kaum (noch!).

Das ist der erste Teil der versprochenen Serie über NGO’s und die Tools, die ihnen das Web 2.0 zur Verfügung stellen würde.

Pragmatisch gesehen ist Transparenz in erster Linie, die Überzeugungskraft einer Organisation, die ihnen gegebenen Mitteln am effektivsten einzusetzen. Erst in zweiter Linie geht es darum, den Geldfluss und die Verwendung des Geldes offenzulegen. Ich sage natürlich keineswegs, man soll im Namen der Überzeugungskraft lügen – Transparenz im Sinne der Philosophie ist nach wie vor oberste Priorität. Die Frage ist, wie verkaufe ich Transparenz? Wie die erste Überlegung zeigt, lautet diese Frage tatsächlich: Wie kann ich Spender davon überzeugen, dass ich möglichst effektiv mit ihrem Geld arbeite?

Die zwei traditionellen Antworten auf dieses Problem, helfen meiner Ansicht genau gar nichts:

  • „Vertrauen Sie uns! Die Menschen, denen es zu helfen gilt liegen uns genauso am Herzen, wie Ihnen“ oder
  • „Hier haben sie unsere Jahresberichte von unserer Gründung bis heute!“

Die erste Herangehensweise, die eine Zeit lang funktionierte, ist heute in der Form irrelevant geworden. Vor allem auch durch die Tatsache, dass Spenden nur in den wenigsten Fällen direkt an/über Mitglieder der NGO gehen, sondern über Erlagscheine, e-Banking, sms, Kontaktformulare/Internet und dergleichen. Einem Menschen, der einem gegenüber steht, mag man dieses Argument möglicherweise noch abkaufen, nicht aber, wenn es auf einer Broschüre, Website oder in einem TV-Spot steht.
Als modifizierte Version dieser Herangehensweise ist z.B. das „Österreichische Spendegütesiegel“ zwar effektiver, beruft es sich doch auf unabhängige Kriterien und Kontrolleure, als Antwort auf die gestellte Frage aber auch ungeeignet. Z.B.: Wer der Spender kennt schon diese Kriterien? Und will man sie wissen, ist man mit dem Download von 13 Datein konfrontiert, die auf einer katastrophalen (und zur gänze in schwarz gehaltenen) Homepage versteckt sind.

Die zweite Herangehensweise, kann vom Spender schon beinahe als „mocking“ bezeichnet werden: Dutzende Seiten, mit dutzenden Rechnungen, Zahlen, kryptischen Kostenstellen und dergleichen haben einfach keinen sonderlich großen Aussagewert.
Wichtig ist, die nötige Information zu extrahieren und gezielt zu präsentieren. Weiters ist es wichtig oder doch zumindest von Vorteil, den Spender über das Spenden hinaus miteinzubinden. Wie das möglich ist, möchte ich an einem Beispiel bzw. der Frage, wie das OLPC-Projekt ihre Give1Get1-Aktion aufpeppen könnte:

Die Idee der G1G1-Aktion, ist, dass ich mir im Westen ein Notebook kaufe und damit gleichzeitig ein Notebook für ein Kind in der „Dritten Welt“ kaufe, damit sozusagen eine Verbindung zwischen mir und meinem „Patenkind“ schaffe. Diese Verbindung ist natürlich rein virtuell, kann aber realisiert werden, indem ich tatsächlich einem Teilnehmer („Spender“) ein Kind zuordne. Sobald diese Zuordnung stattgefunden hat, bekommt der Spender einen Link zugesandt: Eine Mashup-Seite mit Informationen über das Kind und das Dorf oder Region in der es lebt. Diese Seite enthält z.B.

  • eine Google Map, wo Schule und Zuhause des Kindes (inklusive dem zurückzulegenden Weg) eingezeichnet sind
  • Ausschnitt aus Wikipedia (z.B. indem der Wikipedia-Text embedded wird – also so eingefügt dass er mit jeder Aktualisierung auf Wikipedia ebenfalls aktualisiert wird) über die Region
  • einen Flickr Photostream über die Region und die Kinder, die einen Laptop bekommen haben; von den Kindern über die Webcam des Notebooks aktualisiert
  • einen RSS-Feed, mit News aus der Region (z.B. von Google News, Ärzte Ohne Grenzen, UNO,…)
  • einen RSS-Feed vom OLPC-Blog
  • ein Blog, der von den Kindern geschrieben wird – was sie mit den Notebooks machen, was sie in der Schule lernen, wie es zu Hause ist,…

Darüber hinaus kann ein Spender bei Anmeldung angeben, dass seine E-Mail Adresse an sein Patenkind weitergeleitet wird und dieses sich bei ihm melden kann (Betonung natürlich auf kann).

So wird eine Beziehung hergestellt und das Gefühl vermittelt, dass die Spende auch tatsächlich zu etwas führt. Außerdem habe ich als Spender so die Möglichkeit, zu überprüfen, wohin mein Geld geht. Bei den meisten Organisationen wird natürlich auch noch ein gewisser Organisationsaufwand zu berechnen sein. Hier ist es wichtig, genau zu sagen, was hier organisiert wird. Vielleicht sogar mit der Möglichkeit, hier Verbesserungsvorschläge oder -ideen einzubringen, was ein Gefühl der XYZ erzeugt.
Sehr wichtig ist auch, den Organisationsaufwand genau zu beziffern. Ärzte ohne Grenzen macht das ziemlich gut, indem sie auf der Spenden-Seite einen Graphen anzeigen, der die Ausgaben klar und verständlich aufschlüsselt.
Auch bei der Information über ihre Tätigkeiten vor Ort sind sie Vorbildlich: MitarbeiterInnen werden angehalten, Photos zu schießen und Videos zu drehen, die dann über Flickr bzw. Youtube und auf der msf.org-Seite verbreitet werden.


Um also die wichtigen Punkte noch einmal zusammenzufassen:
Wichtig ist die Kombination aus Fakten und Personalisierung dieser. Dazu können verschiedene Social Media Netzwerke oder andere interaktive Web-Tools verwendet werden:

  • GOOGLE MAPS
    Zeigen, wohin das Geld physisch geht
    geographische Übersicht über die Region und die Distanz dorthin
  • FLICKR
    die Betroffenen/Geholfenen zeigen, deren Situation und was das Engagement des Spenders ihnen bringt
  • YOUTUBE
    ebenso – nur in „running pictures“.
    Es können so aber auch MitarbeiterInnen ihre Erfahrungen und Meinungen menschlich weitergeben
  • BLOGS und FEEDS
    News über das Projekt, die Region(en), Menschen.
    Auch hier können MitarbeiterInnen über ihre Erfahrungen und Meinungen schreiben
  • und die KOMBINATION dieser Elemente
    etwa indem Youtub-Videos, Photos und Landkarten in die Artikel der Blogs einfließen

Hoffe das ist bis jetzt verständlich und hilfreich. Für Kommentare bin ich immer offen!


Links:

http://www.osgs.at
http://www.msf.org
http://www.laptop.org

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