Sartre’s verwirrte Sprache

Nein, ich meine nicht Sartre’s verwirrende Sprache…

Ich habe mich entschlossen, wieder etwas Sartre zu lesen, derzeit gerade „Das Imaginäre“ (Rowohlt, 1994). Es hat mich früher schon gestört, doch jetzt kann ich es erstmals richtig formulieren: Sartre springt in seinen philosophischen Schriften zwischen verschiedenen Sprachebenen hin und her! Er definiert Zusammenhänge, oder schreibt, ein gewisses Wort habe in Zusammenhang mit dem vorstellenden Bewusstsein keinen Sinn, benutzt jedoch genau dieses Wort zwei Seiten weiter doch in Zusammenhang mit dem vorstellenden Bewusstsein! Es ist keineswegs so, dass er dadurch die ursprüngliche Verneinung der Beziehung zwischen den beiden Worten aufhebt oder gar umkehrt, sondern vielmehr so, dass er besagtes Wort plötzlich in einer anderen Art und Weiße (eben einer anderen Ebene) benutzt. Spricht er erst von einem philosophischen Zusammenhang, benutzt er das Wort später in einer Art Alltagssprache.

Wie gesagt, seine Gedankengänge zerstört es nicht. Es ist nur verwirrend, dass jemand, der derart auf Begrifflichkeiten pocht, wie Sartre, eben diese Begrifflichkeiten äußerst unsauber benutzt.

Ein Beispiel: Sartre veneint das Wort Beobachtung im Zusammenhang mit Vorstellung – man kann Vorstellungen nicht beobachten. Dann aber sagt er: „Wenn ich wenig später den Namen des Gartens [meiner Vorstellung] finde, dann mit Hilfe von Verfahren, die nichts zu tun haben mit der reinen und einfachen Beobachtung[…]“ (S.25-26). Er sagt also, dass ich das Objekt meiner Vorstellung beobachte, eine Tätigkeit, die er zuvor verneint hat! Diese „Beobachtung“ ist vom Sprachgebrauch allerdings eine andere Beobachtung, als zuvor. Er scheint das Wort hinzuwerfen, als wäre er sich über die Bedeutung dessen nicht gänzlich bewusst.

Man kann argumentieren, dass Beobachtung später relativiert wird durch den Begriff der Quasi-Beobachtung. Ich kann dieses Argument unter Umständen annehmen (auch wenn diese Relativirung erst zwei Seiten später geschieht, ohne vorherigem Hinweiß). Ein weiteres Bespiel, wo dies nicht geschieht ist folgendes: „[das Vorstellungsbewusstsen] hält und erhält durch eine ununterbrochene Schöpfung die wahrnehmbaren Qualitäten eines Objektes.“ Hier sei darauf hingewießen, dass es in diesem Satz darum geht, Vorstellung von Wahrnehmung abzugrenzen.

Etwas anderes, schwerwiegenderes (auch, da es kein Problem derÜbersetzung sein kann), was mich auch wirklich ärgert, ist die Tatsache, dass er seine Philosophie manchmal den Hände der Wortspielerei überlässt. „Aber indem es sich behauptet, zerstört es sich“ ist kein genügender Beweiß der Behauptung, das Objekt der Vorstellung impliziere durch seine Konstutution das Nichts in seiner Strucktur! Die gesamte Argumentation bleibt vage und spielt sich mehr auf Sprachästethischer Ebene ab, als auf Philosophischer.
Dies allerdings ist meiner Ansicht nach ein sehr gefährlicher Akt, gerade für jemanden, der nicht essayistisch, sondern möglichst rational und distanziert-reflektierend schreibt.

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