„Er kannte Israel nicht“

Wer meinen Twitter-Stream verfolgt wird es gestern bereits gelesen haben: Die Zeit hat diese Woche ein paar Artikel zum vermeintlichen Nahost-Kern-Konflikt gebracht. Darunter ein Augenzeugenbericht einer (anonym bleibenden) Mitarbeiterin einer NGO in Khan Younis (Gaza). Darin spricht sie u.a. von den Kindern: „Wael, mein vierjähriger Neffe, hat überhaupt nichts verstanden. Er wusste noch nicht einmal, dass es Israel gibt. Jetzt weiß er es. Wie die anderen Kinder.“

Ich möchte jetzt nicht darüber lementieren, wie schlimm es ist, dass Kinder das miterleben müssen; von einem Krieg sind immer alle betrofffen und das wissen wir längst. Nein, es geht mir viel mehr darum, was das für diesen Konflikt bedeutet, bzw. welche Auswirkungen das auf unser (westliches) Urteilsvermögen diesem Krieg gegenüber hat:

Wir haben keine Ahnung! Und damit meine ich natürlich nicht historisches Wissen über den Konflikt und die Zusammenhänge im Nahen Osten. Die Frage ist: Wer von uns hat sein gesamtes Leben im Schatten eines Krieges verbracht? Unter der steten Androhung von Gewalt; der demagogischen Dauerbefeuerung von Nationalisten,…? Das gilt sowohl für Isreal, als auch für Palästina, wenn auch für zweiteres vermutlich wesentlich stärker.

Wie soll jemand, für den der Krieg (denn auch während Zeiten von Waffenstillstandsabkommen herrscht hier ein zumindest psychologischer Krieg) einen Zustand der Normalität darstellt, Frieden verstehen? Friede, der hier unnatürlich ist, muss für einen Menschen unter diesen Bedingungen etwas surreales, im Bewusstsein vielleicht sogar prinzipiell temporäres sein. Möglicherweiße ist er sogar bloßes Konzept, so wie für uns der Krieg ungreifbar, Idee ist.

Es ist also (u.a.!) eine gewisse psychologische Trägheit, die eine Beendigung des Konflikts verhindert, oder diesen zumindest stark begünstigt. Andere Faktoren sind klarerweiße, der Größenwahn Iran’s, sowie der Amerika’s, Europas fehlender Mut in diesen Dingen, Russlands politische Finesse, usw.

  1. Mein diesbezüglicher Beitrag bei Twiteratur: http://twitter.com/twiteratur/status/1095320343 :

    Was ist da jetzt, da der Krieg fort ist?
    Ein Leben lang war er da; irgendwo zwischen den Essenzen der Dinge. Oder darin. Wo lag der Unterschied?

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