UDHR Spotlights – Artikel 16

Artikel 16 – Eheschliessung, Familie

(1) Heiratsfähige Männer und Frauen haben ohne Beschrenkung durch Rasse, Staatsbürgerschaft, oder Religion das Recht, eine Ehe zu schließen und eine Familie zu gründen. Sie haben bei der Eheschließung, während der Ehe und bei deren Auflösung gleiche Rechte.

(2) Die Ehe darf nur auf Grund der freien und vollen Willenseinigung der zukünftigen Ehegatten geschlossen werden.

(3) Die Familie ist die natürliche und grundlegende Einheit der Gesellschaft und hat Anspruch auf Schutz durch Gesellschaft und Staat.

Die erste Frage, die sich aufdrängt ist: Und was ist mit der Homosexualität? Ich hätte es selbst beinahe überlesen: Der Beginn von Paragraph eins sagt nicht, dass nur ein Mann eine Frau und eine Frau einen Mann heiraten kann! Es kann durchaus sein, dass diese Interpretationsfreiheit hier aus politisch-historischen Gründen stehen gelassen wurde (man muss bedenken, dass diese Deklaration 1948 formuliert und unterzeichnet wurde!)

Wichtig erscheinen mir hier vor allem die Verneinung von Diskriminierung (die hier, ganz anders als in Artikel 2 – dem Diskriminierungsverbot – recht lasch geführt wird), gleichen Rechte und der freie Wille. Besonders eingehen möchte ich aber auf Paragraph 3, der die Familie als Grundstein der Gesellschaft setzt.

Auf den ersten Blick wirkt dies in Hinblick auf die Universalität der Menschenrechte problematisch, denn die Vorstellung von Familie kann nicht nur kulturell unterschiedlich aufgefasst werden, sondern es kann deren fundamentale Bedeutung auch gänzlich verneint werden. Dieser Paragraph hängt also unter Umständen vom jeweiligen Menschenbild ab.

Eine mögliche Verteidigung der Universalität dieses Paragraphen bietet das Modell der beziehungsabhängigen Verantwortlichkeiten (etwa bei Georg Lohmann oder Michael Walzer) – auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob ich diese Argumentation mangels Erfahrung und Wissen tatsächlich führen könnte. Darum tue ich es auch nicht sondern bleibe bei der Vermutung, dass es sich hier um eine inkorrekte Formulierung, die zu stark im westlichen Welt- und Menschenbild verwurzelt ist. Das ist zwar nicht so befriedigend aber auch unsereins muss ehrlich sein…

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Dies ist der dritte Teil der Serie “UDHR Spotlights” zu den unbekannteren unter den Menschenrechten.

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