UDHR Spotlights – Artikel 22

Artikel 22 – Recht auf soziale Sicherheit

Jeder Mensch hat als Mitglied der Gesellschaft Recht auf soziale Sicherheit; er hat Anspruch darauf, durch innerstaatliche Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit unter Berücksichtigung der Organisation und der Hilfsmittel jedes Staates in den Genuss der für seine Würde und die freie Entwicklung seiner Persönlichkeit unentbehrlichen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte zu gelangen.

Allein vom semantischen Aufbau her ist dieser Artikel interessant: Was in anderen Artikeln in verschiedene Paragraphen geteilt wird (Einleitung/Deklaration, Definition, Erläuterung/Präzesierung), findet sich hier in einen einzigen Absatz gepresst. Bisher bin ich nicht darauf zu sprechen gekommen (und ich nehme an, dass dies der juridischen Praxis entspricht), aber Paragraphen bestehen immer nur aus einem einzigen Satz. Wenn sich die Information nicht verständlich in einen Satz pressen lässt, so behilft man sich des, in der deutschen Sprache ansonsten scheinbar verpönt- oder zumindest vergessenen Stichpunktes „;“. So auch hier.

Kommen wir nun also zum Inhaltlichen: Der Deklaration des Rechtes folgt (nach den „;“ ;-)) die Definition des Begriffs der soziale Sicherheit.Hervorhebenswert finde ich hier die dezidierte Erwähnung der kulturellen Rechte. Somit wird z.B. die Religionsausübung in gleich zwei Artikeln der UDHR gesichert: Artikel 18 und Artikel 22. Wir finden auch erstmals jenes umstrittene Recht auf freie Entwicklung der Persönlichkeit Eine Analyse zeigt, dass das kleine-große Wörtchen „freie“ insofern eingeschränkt wird, als dass es eigentlich heist frei, im Rahmen der jeweiligen Kultur.

Diese Persönlichkeitsentfaltung impliziert in einer Formulierung zwei Rechte:

  1. ein negatives Freiheitsrecht, in der Form, dass es Unterlassen wird, Menschen in ihrer Entwicklung aktiv einzuschränken
  2. ein positives Freiheitsrecht in Form eines soziales Teilhaberechtes.

Der in Artikel 15 deklarierte Staat wird hier in Artikel 22 bereits vorrausgesetzt und seine Verantwortung/Aufgabe ausgeweitet bzw. erklärt. Für eine Erklärung, siehe UDHR-Spotlights – Artikel 15.

Worauf ich in diesem Post allerdings besonders eingehen will, ist das Minima unentbehrlich. Der Grund für dieses Minima ist das moralisch-anthropologische Problem der kulturellen Hermeneutik. Die Frage ist, inwieweit, wenn überhaupt, das Verstehen einer fremden Kultur bzw. deren Mitglieder möglich ist. Diese Kultur kann sowohl räumlich von der eigenen getrennt sein, als auch zeitlich oder beides. Ein Teil dieser Frage (oder, wenn man so will, eine Weiterführung dieser) ist, die Frage nach der Existenz eines Gemeinsamen Nenners aller Menschen, einer anthropologische Essenz. Letztere allerdings stellt genaugenommen einen Größten Gemeinsamen Nenner dar.

Um nun universal für alle Menschen in gleicher Weise zu gelten, müssen Menschenrechte um diese anthropologische Essenz herum formiert werden und ausschließlich diese schützen. Wenn nämlich über diese Essenz hinausgegangen wird, so werden a priori Menschen von den Menschenrechten (entweder nur von denen, die über die Essenz hinaus gehen, oder , je nach der Überschreitung, allen) ausgeschlossen.

Dies stellt vor allem bei der kulturanthropologischen Frage ein großes Problem dar, denn die Konzeption von Moral und vom Menschen kann in unterschiedlichen Kulturen durchaus unterschiedlich sein.

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Dies ist der sechste Teil der Serie “UDHR Spotlights” zu den unbekannteren unter den Menschenrechten.

  1. 12. November 2009

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