Die Zeit mit der Salzgurke lesen

But pickle jars are just pickle jars
And pickles are just pickles
Ingredients … water, salt, cucumber, garlic and pickling spices

Regina Spektor – Reading Time with Pickle

Es ist ein komisches Gefühl, täglich einen Teil einer Kurzgeschichte veröffentlicht zu sehen. Sie aus dieser fremden Perspektive zu lesen, nach Videos, Zitaten, Photos ausschau zu halten, die zu den jeweiligen Einträgen passen. Sie haben etwas metaphorisches an sich: Sie legen einen Blick an die Geschichte. Auch wenn ich mit Lakoff & Johnson mitnichten in jedem Punkt zustimme, hatt dieser Gedanken etwas anzüglich errengendes an sich. Aber die Fremdheit dieses Textes, der inzwischen ja bereits ganz anders aussieht und v.a. abgeschlossen ist, hat etwas unheimliches an sich.

Letzte Woche habe ich den letzten Eintrag der Kurzgeschichte Sherazad & Amgiad eingegräut. Ich finde, es ist mir ganz gut gelungen, die Perspektive dieses fiktiven Lesers herauszuarbeiten, wobei Perspektive in diesem Fall vielleicht etwas zu weit gegriffen ist. Ein paar kleine Änderungen würden noch anstehen aber der Text versteckt sich vor mir in einer virtuellen Schreibtischlade. Zwei Monate habe ich daran geschriebe, gefeilt, gegräut und vor allem ganz viel gezweifelt (wobei es damit auch jetzt kein Ende nimmt). Da ich allerdings einen 10-seitigen Text bei der Angewandten nicht abgeben kann, habe ich letzte Woche eine weiter Kurzgeschichte geschrieben, die mir schon länger in der einen oder anderen Form im Kopf herumspukt. Marina war ganz entsetzt über die Geschwindigkeit. Wie entsetzt wäre sie, wenn sie wüsste, dass ich in den letzten zwei Tagen yet another short story verfasst habe? diesmal allerdings wirklich eine Kurz-Geschichte – abgetippt genau eine A-4 Seite: Der Bekennerbrief eines Menschen, der sich mit einer Welt konfrontiert sieht, die die Kommunikation mit ihm verweigert. Bekennerbrief deshalb, weil ihn diese Kommunikationsverweigerung zu immer lauteren ‘Sprechakten’ treibt, die in das Modewort Terrorismus enden.

Es geht mir in ihr vorranging um zwei (relativ unabhängige) Dinge:
1.) Den Terrorismus weniger als Gewaltakt, als als Form der Kommunikation zu beschreiben (vgl. Recherche, 2/2009)
2.) Einen ‘Denkfehler’ vieler linker Intelektureller (ja, leider auch meiner selbst) aufzuzeigen: Die paradoxe Eigenheit, die dekonstruktivistische Perspektivenpluralität implizit, unausgesprochen, aber genauso präsent als oberste Wahrheit zu verstehen. Diese faschistische Pluralität habe ich an vielen beobachten können – die feinste Ausformung an den Professoren und Studenten der Kultur- und Sozialanthropologie, insbesondere der Genderanthropologie.

Veröffentlicht wird die KG in ein paar Tagen (nachdem der Sherazad-Zyklus abeschlossen ist) auf vordichtung.

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