Holocaust-Bildung?

So sehr ich auch Aleida Assmann für ihre medientheoretischen Überlegungen bewundere, in ihrem Artikel über den Holocoaust als Gründungsmythos eines vereinigten Europas (abgedruckt in der Recherche 2/2009) begeht sie einen bereits häufig wiederholten Fehler. Sie scheint, wie einige prominente Fernsehstimmen, zu glauben Aufklärung über den Zweiten Weltkrieg würde einen Rechtsruck unter den Jugendlichen verhindern oder zumindest unwahrscheinlich machen.

Natürlich, was sie unter Aufklärung versteht geht über die Vorstellung jener Fernsehstimmen hinaus, nichtsdestotrotz ist die Grundannahme diesselbe: Dass zu wissen und zu verstehen, was in den Jahren 1933-1945 geschah gleichzusetzen wäre mit der Entscheidung, so etwas dürfe nie wieder geschehen. Und: Dass die Geschichte erzählen bzw. – fortschrittlicher – vor Augen führen der Aufnahme dieser Informationen gleich käme.

Das Problem liegt allerdings weniger an zu wenig Aufklärung – wenn, dann ist das Gegenteil, zuviel Aufklärung, Überforderung und Banalisierung der Fall -, sondern liegt tiefer: In der Verlagerung der moralischen Bezugspersonen zu Peers und somit der immer stärkeren Entkopplung der Moralvorstellungen von denen der Groß- bzw. Elterngeneration. Ich sage das als direkt Beteiligter, als gerade nicht mehr Teenager.

Auch finde ich, dass diese Entwicklung durchaus neutral zu sehen ist. Das Problem liegt darin, dass die Schwierigkeiten die sich daraus, wie bei jeder anderen Entwicklung auch, ergeben, mit veralteter Methodik (eben nicht) beantwortet werden.

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