Bloggende Wissenschaft

Rewriting research„, so lautet ein sehr lesenswerter Beitrag Jannelle Wards im niederländischen Magazin The Broker. Anhand von Wikis und akademischen BloggerInnen beschreibt sie eine sich veränderte Wissenschaftskultur.
Blogs, so schreibt sie, sind eine neue Form des wissenschaftlichen Diskurses zwischen strenger Wissenschaft und ihrer öffentlichen Rezeption. Neben Research Logs und Beschreibungen des akademischen Alltags, sind vor allem Blogs wie The Chutry Experiment wichtiges Element der akademischen BloggerInnenszene. Sie sind wissenschaftlicher Diskurs in essayistischem Stil. Dabei haben Blogs unterschiedliche Funktionen. Janelle schreibt:

In a recent study of 12 group blogs, María José Luzón of the University of Zaragoza, Spain, found that they served a number of purposes, including publicizing the group and its research. They helped to create a sense of community, increasing opportunities for collaboration and providing a social outlet for members.

Solche Zitate erinnern mich an den Vorschlag eines Catalyst Think Tanks (etwas technischer hier), der StudentInnen die Möglichkeit gibt, über Web2.0 Technologien in einen eigenen, sinnvollen wissenschaftlichen Diskurs einzutreten. Angesichts dieses Artikels und meinem kürzlichen Eintreten für Open Access glaube ich, dass es Zeit für eine Re-Evaluierung dieser Idee ist.

Ich glaube nach wie vor, dass Noten als Motivation für (halb)wissenschaftliche Arbeiten keine gute ist. Mit dem Gefühl, eine Arbeit zu schreiben, die nur ein oder eine ProfessorIn lesen wird ist der Anreiz, eine gute Arbeit zu schreiben recht gering. Als Gegenentwurf verstehe ich den zweiten Teil des Zitats: „community“, „collaboration“ und der soziale Aspekt (virtueller) Zusammenarbeit. Und ich glaube auch nach wie vor, dass Blogs, Wikis und eventuell auch halbsynchrone Medien wie Twitter/identi.ca bei der Schaffung einer solchen Öffentlichkeit zentral sind. Ein System wie Catalyst ist dabei aber utopisch; nicht gänzlich ausgeschlossen und undenkbar, aber weit entfernt. Auch gefällt mir die Geschlossenheit von Catalyst nicht mehr (Open Access, remember?)

Reading Is Fundamental

"Reading Is Fundamental" by Troy Holden (Flickr)

Stattdessen möchte ich hier das didaktische Konzept einer Blog-Vorlesung skizzieren: Zusätzlich zu dem gewöhnlichen Ablauf einer typischen Vorlesungseinheit, stellt der oder die ProfessorIn am Ende einer jeden Einheit eine weiterführende Frage (etwa: Was bedeutet XYZ für  ZYX? oder Versuchen Sie sich an einer Dekonstruktion des Blogdiskurses), die StudentInnen in der folgenden Woche in ~830-1000 Zeichen bearbeiten müssen. Dazu bekommt jeder Studierende einen Blog zur Verfügung gestellt. Wie bei wordpress.com oder Der Freitag, kommen die besten (von ProfessorInnen ausgewählt) und meistgelesensten (von Studierenden „gewählt“) Artikel auf die Startseite dieses Blognetzwerks. Damit haben StudentInnen mehr Anreiz, einen guten Artikel zu schreiben. Gleichzeitig wird damit die Interaktion unter den Studierenden angeregt. Zu Beginn der nächsten Einheit nimmt der/die ProfessorIn dann Bezug auf die Antworten. Benotet werden die Artikel und die Teilnahme am Diskurs (verlinken, verlinkt werden, kommentieren).

Eine Abwandlung könnte sein, Vorlesungen zweiwöchentlich abzuhalten und dafür den Diskurs zu verstärken. Etwa indem der/die Professorin aktiv in den Blogs teilnimmt, dass kommentieren und verlinken mehr Wert beigemessen wird, … So würde der Korrektur-Zeitdruck der ProfessorInnen vermindert werden.

Über längere Zeitdauer und weitere Ausdehnung, könnte im Zuge etwas Catalyst Ähnliches – Fächer und Disziplinen Übergreifendes – geschaffen werden.

One of the responsibilities of a publicly paid academic is to participate in the public debate. Yes, there should be ways to register blogging in a way that would give us „points“ when counting publications, and I am certain this would propel Norwegian academics into a blogging frenzy. No, I would not turn down the money if I were paid for this. But yes, I am willing to do it, because it is part of what I am supposed to do

Torill Mortensen – Research blogging and blog norms

Links:

100 best professors who blog
Blogs der Cambridge University
Blogs der University of Singapur
Blogs der Cornell University
Edublogs Campus
Online Courses enhance Universities
University 2.0 (elearningspace.org)
University 2.0 (educause.edu)

  1. 31. Januar 2010

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