Sofia, Bulgarien

Es war jetzt eine Zeit lang etwas still auf vorblog – etwas zu still. Ich kenne das ja bereits; in meinen zwei Jahren als Blogger hatte ich einige dieser Phasen, in denen das Bloggen keinen oder kaum Spaß macht. Dazu kam, dass ich jetzt knapp eine Woche in Sofia verbracht habe.

Sofia

GMap von Sofia

Eine Subkultur

Bevor ich jetzt fortfahre, von Sofia zu erzählen folgendes: Ich habe, wenn ich denn etwas kennengelernt habe, eine Subkultur von Sofia erlebt – die Homosexuelle. Das ist insofern interessant, als dass schwul in Sofia zu sein etwas ganz anderes bedeutet als schwul in Wien zu sein. Nicht nur gibt es eine recht starke – und legale – nationalsozialistische Partei, mir wurde auch erzählt, dass zuweilen die Polizei jagt auf homosexuelle Demonstranten macht. Mein Eindruck war, dass Schwul-Sein in Bulgariens Hauptstadt einer grundsätzlichen Rebellion gleichkommt, dass man Homosexualität beinahe nur als schreiende Revolution ausleben kann. Criminally Vulgar meinte, dass Homosexualität in Wien wesentlich besser toleriert wird, als in Sofia. Dessen bin ich mir nicht so sicher. Ich glaube nämlich, dass diese Art schreiender Homosexualität in Wien inzwischen genauso wenig toleriert wird, wie in Sofia – und wenn, dann nur während der Gay Parade oder während des Life Balls und bei beiden bin ich skeptisch, inwiefern sie noch ‚gay events‘ sind. Ich bin gespannt auf Eure Meinungen

Stadt ohne Charakter?

Ich kann nicht genau beschreiben, was ich unter Stadtcharakter verstehe. Die meisten Städte, die ich kenne, haben mir nach wenigen Minuten ein Gefühl vermittelt

Sofia

via criminally vulgar

– genau wie bei Personen, von denen es heißt, die ersten 30 Sekundne wären die wichtigsten. Nicht so Sofia. Auch jetzt könnte ich Euch nichts von dem Charakter der Stadt erzählen. Es ist eine – sid verbum! – abgefuckte Stadt. Dreckig, Schlaglöcher wie Elephanten, abblätternde Fassaden, Graffiti überall. Die Plattenbauten sehen aus wie Fleckerlteppiche, weil es sich einige Bewohner leisten konnten, zu renovieren, andere nicht. Hin und wieder sieht man leerstehende, verfallende Häuser, oder Hochbauten, die nie fertiggestellt  werden. Nur Kirchen, Synagogen, Moscheen und einige wenige Gebäude der Jahrhundertwende sind in gutem Zustand. Ace, ein Bekannter Criminally Vulgars, meinte, die Bulgaren hätten das Interesse daran verloren, ihre Umgebung (hübsch und angenehm) zu gestalten. Vence meinte, die Menschen hätten den Respekt voreinander verloren – etwas, das wir ja auch in Österreich und anderen westlichen Ländern beobachten können.

‚Volk‘ mit?

Den verfallenden Fassaden und behaupteter Respektlosigkeit entgegen steht, was ich von den Menschen gehört und gesehen habe. Ein kurzer Abstecher: Wir waren täglich 2-4 Mal essen! Für österreichische Verhältnisse extrem billig, ist die Qualität und Auswahl der Speisen bei uns schnell einmal €25 wert! In Bulgarien aber bekommt man diese Qualität zu einem lokalen Normalpreis. Warum diese Diskrepanz?

A Livingroom in Sofia

by criminally vulgar

Mir wurde erklärt, es liege daran, dass dies genau das ist, was Bulgaren machen – essen gehen, trinken gehen, sich mit Freunden treffen – und zwar durchgehend. Selbst um sieben, nach der Arbeit geht der Bulgare noch aus. Das ist natürlich ein sehr pauschales Urteil, aber eines, das ich, für alles, was ich gesehen habe, bestätigen kann.  Und die Charakterlosigkeit der Stadt Sofia, kehrt sich in den Bulgaren ins Gegenteil. Gerade am Flughafen von Sofia angekommen, wurde mir gesagt, die Bulgaren hätten sehr viel gemein mit den Iren – obwohl sie keine gemeinsame Geschichte haben. Ich kann nicht genau sagen, was ‚die Bulgaren ausmacht‘, aber vielleicht ist es dieser ehrliche Pragmatismus, den ich beobachten konnte und von dem mir auch viel erzählt wurde – wenn auch ohne ihn so zu nennen.

Reblog this post [with Zemanta]
    • Anonymous
    • 13. Juli 2011

    “ [..] Dreckig, Schlaglöcher wie Elephanten, abblätternde Fassaden, Graffiti überall.“ ich fliege in 3 wochen nach Sofia. Mitten in der größten Hitze…oh mann hoffentlich kann ich in einem der größeren Schlaglöcher baden gehen :-)

  1. 16. September 2010

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