Binnen-I

Zum guten Sprachgebrauch von heute gehört es, korrekt zu gendern. Für die Schrift bedeutet das meist (nur) die Verwendung des Binnen-I, wie in PhilosophInnen. Auf zynische Verwendungen, wie BürgerInnenMeisterInnenKanditatInnen werde ich gar nicht eingehen. Genausowenig darauf, dass dieses Gendern sich oft auf das Binnen-I beschränkt und dieses sozusagen kontraproduktiv macht.

Nein, ich will mich auf ein viel fundamentaleres Problem konzentrieren und möchte mit der Frage beginnen, warum überhaupt Binnen-I, bzw. gegenderte Sprache? Das geht darauf zurück, dass sich in der jüngeren Sprachphilosophie und Literatur die Erkenntnis durchgesetzt hat, Sprache könne Denkmuster produzieren und kontrollieren. Prominent geworden ist diese Ansicht vor allem in der österreichischen Literatur zwischen ~1960 und ~2000, mit Bachmann, Grass, Johnson, Wolf (um nur einige zu nennen) oder in Georg Orwells Konzeption der Sprache Newsspeak.
Viele der hier genannten haben der sprache eine patriachale Prägung diagnostiziert. In Umkehrung dieses Prinzips, soll das Binnen-I zu einer pluraleren Denkart führen.

Das Problem aber ist, dass es diese sprachliche Sonderform zwar für Frauen gibt, nicht aber für andere unterdrückten oder benachteiligten Gruppen. Das Binnen-I ist also selbst, trotz seines gegenteiligen Anspruchs, eine diskriminatorische Praxis – etwas, das in der wiener Genderanthropologie bereits gängiges Wissen darstellt. Abseits dieser ist das natürlich ziemlich unpopulär.

*

So what I am going to do from now on: Ich werde mich an die ‚*‘-Form der historischen Sprachwissenschaft halten, die anzeigt, dass ein Satz oder ein Wort konstruiert ist und sich so in der Realität nicht finden lässt. Ich werde diese Form aber nicht ununterbrochen benutzen – vor allem, weil seine Wirkung so verloren geht. Stattdessen werde ich sie von Zeit zu Zeit einstreuen, wo sie mir relevant erscheint und wo ich glaube, dass der „Stolper-Effekt am effektivsten ist.

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