Posts Tagged ‘ gedicht ’

Featured Poem – 03. ’08

Der Mond

Als Gott den lieben Mond erschuf,
gab er ihm folgenden Beruf:

Beim Zu- sowohl wie beim Abnehmen
sich deutschen Lesern zu bequemen,
ein A formierend und ein Z
dass keiner groß zu denken hätt‘.

Befolgend dies ward der Trabant
ein völlig deutscher Gegenstand.

 

Christian Morgenstern

 

Featured Poem – 2. ’08

Antwort

Mein vater, sagt ihr,

mein vater im schacht

habe risse im rücken,

narben

grindige spuren niedergegangenen gesteins,

ich aber,

ich sänge die liebe

Ich sage:

eben, deshalb

Featured Poem – the last 07

Eigentum

Ich weiß, daß mir nichts angehört

Als der Gedanke, der ungestört

Aus meiner Seele will fließen,

Und jeder günstige Augenblick,

Den mich ein liebendes Geschick

Von Grund aus läßt genießen.

Featured Poem – 52. ’07 ?

Willkommen und Abschied

(Spätere Fassung, ~1785)

Es schlug mein Herz, geschwind, zu Pferde!
Es war getan fast eh gedacht.
Der Abend wiegte schon die Erde,
Und an den Bergen hing die Nacht;
Schon stand im Nebelkleid die Eiche
Ein aufgetürmter Riese, da,
Wo Finsternis aus dem Gesträuche
Mit hundert schwarzen Augen sah.

Der Mond von einem Wolkenhügel
Sah kläglich aus dem Duft hervor,
Die Winde schwangen leise Flügel,
Umsausten schauerlich mein Ohr;
Die Nacht schuf tausend Ungeheuer,
Doch frisch und fröhlich war mein Mut:
In meinen Adern welches Feuer!
In meinem Herzen welche Glut! Weiterlesen

Featured Poem – 51. ’07

 

Betrachtung der Zeit

Mein sind die Jahre nicht,
Die mir die Zeit genommen;
Mein sind die Jahre nicht,
Die etwa möchten kommen;

Der Augenblick ist mein,
Und nehm ich den in acht
So ist der mein,
Der Jahr und Ewigkeit gemacht.

 

Andreas Gryphius

 

Haiku. Haiku? Haiku!

Was hat

mit zu tun?

Nun ja…ersteres ist ein japanisches Haiku zweiteres ein Computer-Desktop. Weiterlesen

Featured Poem – 50. ’07

 

Still doch! Es war ja der Wind nur,
Welcher dich fürchten gemacht.
Sieh, alle Dinge sind nur
Wandelnde Schatten der Nacht.

Aber das Auge erhellt sie
Mehr als die Sonne vermag,
Schenkt ihnen Leben und stellt sie
In den taumelnden Tag.

Alexander von Bernus