Posts Tagged ‘ Literatur ’

Zwei Geschichten der Schrift


Book of Kells

by losgor

Wir alle kennen die Geschichten von der revolutionären Literatur, die gegen unfaire Machtverhältnisse aufbegehrt oder aufbegehren lässt. Wir kennen ebenso alle die Geschichten von der Literatur, die sich in die Individualität der Menschen (und z.T. Kulturen) einfühlt und sie verstehbar macht. Es ist die generelle Auffassung, Literatur und, im weiteren Sinne, Schrift habe zu mehr Pluralität geführt. Dieser Annahme liegt ein gewaltiger Fehlschluss zugrunde: Die Annahme, Pluralität wäre nur dort vorhanden, wo wir sie auch empirisch-wissenschaftlich nachweisen können, hat kaum Rechtfertigung. Genauso kann eine andere Geschichte der Literatur erzählt werden, in der Schriftlichkeit zu gänzlich gegenteiligen Denkmustern geführt hat.

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The H.P. files

Dobby der Hauself

Dobby, der Hauself

Dieser Artikel liegt nun seit fast einem Monat in der Skizzenlade meines Blogs und es wird langsam Zeit, dass er ausgelüftet wird. Etwas länger hatte ich die Bücher, um die es mir geht nicht mehr in der Hand: J. K. Rowlings Harry Potter Reihe.
Man mag sich fragen, was Harry Potter auf diesem, doch eher kulturwissenschaftlich angehauchten, Blog verloren hat. Aber Rowlings zauberhafte Welt bietet, wie jedwege Hoch- und ‚Nieder’literatur, viele Ansatzpunkte für eine kulturwissenschaftliche Untersuchung. Ich möchte meine Analyse bei der Architektur beginnen.
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Literatur: Science’s Borderland

Mad Scientist

Mad Scientist by TrailofTerror

Als Student der Deutschen Philologie (Germanistik, für alle, die ein ästhetisches Gehör haben) habe ich das Glück, mit einer großen Auswahl an Vorlesungen und Proseminaren konfrontiert zu sein. Anspruchsvolle Lehrende können sogar beinahe über die eklatanten Schwächen des Wiener Bachelor-Systems hinwegtrösten. Für eine der Professorinnen, Fr. Prof. Dr. Eva Horn, musste ich einen etwa 6-seitigen Essay über verrückte Wissenschafter in der Literatur schreiben: Borderland. Die Grenzen der „Mad Scientists“. In ihm stelle ich die Theorie auf, dass es sich bei den Mad Scientists um anthropologische Gedankenexperimente von AutorInnen handelt, weniger um Wissenschaftsbeschreibung und -kritik. Weiterlesen

leserliches Gekritzel

Man könnte wohl meinen letzten Literatur-Post missverstehen. Man mag glauben, es ginge mir darum, avantgardistische – d.h. möglichst unverständliche – Literatur zu verfassen. Gerade der letzte Absatz scheint in die Richtung zu deuten. Aber: Mein Ziel ist das sicherlich nicht!

Ich glaube Daniel Kehlmann hat mit seiner Poetologie recht. Und auch Morrisey/The Smiths konnten ihr sozialrevolutionäres Potential nur durch das trojanische Pferd der Musik Johnny Marrs aktualisieren. (Danke criminally vulgar für den Hinweis!) Aber die Idee ist bereits wesentlich älter als Kehlmann oder Britpop. Die Idee, von der hier die Rede ist, ist die, seinen LeserInnen mehrere Ebenen zu bieten. Oder, in den Worten der Rezeptionsästhetik: einen Balanceakt, unterschiedlichste Erwartungshorizonte zu bedienen und zu brechen. Die Möglichkeit bieten, den Text als einfache Unterhaltung zu lesen, genauso wie die Möglichkeit, einen klassischen Literaturwissenschaftler seine hermeneutischen Werkzeuge an den Text bringen zu lassen.

Aber gleichzeitig geht es natürlich um die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse, der des Autors!

(un)leserliches Gekritzel

Meine Finger jucken wieder. Nicht zuletzt durch die Erwartung des Schnees die letzten Tage; aber auch davor saß eine meiner Charaktere mir gegenüber im Buss – daraus geworden ist dieses Textfragment: Rote Fäußtlinge [sic!]. Das Mädchen, das hier spricht, verfolgt mich seit knapp eineinhalb Jahren und ist der Lektüre von Kate Nash: Mariella entsprungen. Obwohl es nicht geschneit hat, rief dieses Lied einen roten Eindruck („cause wearing blood didn’t impress her mother“) hervor und irgendwo in den Windungen meines Gehirns war wohl noch das Bild eines wollenen Fäustlings versteckt. Eine Kindergeschichte ist es wohl trotz der Protagonistin nicht – genauso wie Mariella zwar ein Kind, aber doch ein adult-character ist. Genaugenommen warte ich nur auf zwei Dinge, um den Blasebalken in diese Geschichte zu stecken: auf Spike Jonzes Where the Wild Things are und auf die Weihnachtsferien. Weiterlesen

Loveology – Serino Studios

love-ology, love-ology, I’m sorry-ology, forgive me-ology

Regina Spektor ist ohne Zweifel eine der größten Singer-SongwriterInnen unserer Zeit mit den großartigsten Texten. Zusammen mit den Weakerthans, den Dresden Dolls, Kimya Dawson und Tomte sind sie wohl die literarisch kreativsten unter den Musikern (und für uns Literaten besonders wichtig).

Heads Up auch für Nora (aka Serino Studios) für dieses gelungene Video!

Vier „Kinderbücher“, die man gelesen haben muss

Ich fange mit dem offensichtlichen, das zu erwähnen mir beinahe peinlich ist, an:

Momo (Michael Ende)

Die Geschichte eines kleinen Mädchens, das gegen die zeitstehlenden Grauen Männer. Sehr phantasievoll

Mio, mein Mio (Astrid Lindgren)

Bo Vilhelm Olsson, der Sohn eines Märchenkönigs, der sich zusammen mit seinem besten Freund Jum-Jum aufmacht, die entführten Kinder vom bösen Ritter Kato zurückzuholen.

Der kleine Prinz (Antoine de Saint-Exupéry)

Ich glaube nicht, dass ich über den Prinzen irgendetwas sagen muss. Trotzdem: Sehr philosophisch und wunderschön!

Der König und das Meer (Heinz Janisch)

Kürzestgeschichten von einem König, der mit allen möglichen Dingen seiner Umgebung spricht und von ihnen lernt. Beispiele sind das Fischernetz, das sich weigert, das gesamte Meer zu fangen, der Baum, der in seiner Krone Vögel hausen lässt und die Wolke, die nicht aufhört zu regnen. Hört sich kitschig an, ist es aber nicht!