Posts Tagged ‘ Nibelungenlied ’

Protantoganisten

Kriemhild showing Gunther's head to Hagen (Joh...
Image via Wikipedia

Wie in meinem letzten Literatur-Post, möchte ich heute wieder den Bogen von ziemlich alter, zu mehr oder weniger neuer Literatur ziehen. Und wie im letzten, wird auch in diesem der ältere Teil vom Nibelungenlied abgedeckt. Es wird (auch von Germanistik Studenten*) einfach zu unrecht als langweilig abgeschoben. But let’s dig into it!

Grundsätzlich lassen sich im Nibelungenlied drei Stoffkreise unterscheiden:

  • Sîfrits Jugend (inklusive Drachenjagt und Schatzgewinn)
  • Sîfrits Werbung um Kriemhilt (inklusive Verrat, Mord und Racheschwur)
  • Der Untergang der Burgonden/Nibelungen (inklusive mächtige Hunnen, die sogar schon in Pöchlarn sitzen!)

Beachtlich dabei ist, dass im gesamten Nibelungenlied Sîfrit der einzige ist, der immer nur als Protagonist gezeichnet wird. Jetzt kann man sich natürlich denken Wie denn auch sonst?! Typisch für eine patriarchale Gesellschaft! Aber abgesehen davon, dass sich im Nibelungenlied durchaus Spuren des Matriarchats finden lassen, ist das noch aus einer ganz anderen Perspektive sehr interessant:

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Botenpoetologie

Für die Uni lese ich gerade Das Nibelungenlied; und zwar das ‚Original‘. Bisher kannte ich nur Michael Köhlmeiers Bearbeitung dieses klassischen Stoffs und auch wenn diese sicher eigene erzählerische Qualitäten aufweist, wird sie der Komplexität und der spezifischen Erzählsituation des Nibelungenlieds nicht gerecht. Da wäre etwa das, was ich jetzt einmal die Poetologie der Boten nennen möchte.

Sîfrits Ermordung

Sîfrits Ermordung

Besonders gut lässt sich das wohl an der 12. Âventiure (gesprochen Aventüre, ~ Kapitel) zeigen. Diese beginnt mit dem Misstrauen Prünhilts Gegenüber ihrem Mann Gunther, seiner Schwester Krimhilt und deren Mann Sîfrit, dem vermeintlichen Vasallen Gunters. Seit ihrer Hochzeit sind etwa 40 Jahre vergangen und Prünhilt will Sîfrit und Krimhilt wieder sehen. Ihre Versuchen, den König Gunther davon zu überzeugen, und dessen Zieren, werden lang und breit beschrieben. Schlussendliche schickt Gunther Boten nach Norwegen zu seinem Schwager. Genauso wie Gunther ziert sich Sîfrit zuerst (warum ist mir nicht ganz klar). Auch sein Entscheidungsprozess wird genau beschrieben, bevor er die Boten wieder zurück zu Gunther schickt, wo Gunther beginnt, ein Fest vorzubereiten.

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